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Angelo Scholly -
25 Jahren Kirchenmusiker

Gregor Jeub interviewt Angelo Schlolly (AS) zum Anlass seines Jubiläums.

Lieber Angelo, seit 25 Jahren bist du als Kirchenmusiker tätig. Dazu gratulieren dir alle ganz herzlich! Auch ich möchte mich zu deinem Jubiläum den Gratulanten anschließen und dir im Namen der Gemeindeleitung der Nord-GdG überaus herzlich danken für eine so lange Zeit in kontinuierlicher und auch guter kollegialer Arbeit. Wir sind froh, dass du bei uns ist! Gerne würde ich dir ein paar Fragen stellen.

Was hat in dir den Entschluss reifen lassen, den Beruf des Kirchenmusikers zu ergreifen? Wie kam es, dass du damals in St. Martinus anfingst?

AS: Mit sechs Jahren habe ich angefangen Klavier zu spielen, mit zehn Jahren dann eigentlich „richtig” – meine Lehrerin Sabine Reinartz war die Vertreterin meines Heimatorganisten Egidius Fuchs. Irgendwann durfte ich ein Klavierstück auf der Orgel spielen – und etwas später zog Sabine Reinartz fort: nun durfte ich, anfangs noch ohne Pedalspiel, die ersten Gottesdienste in St. Willibrord in Merkstein begleiten. Das alles war bei Pastor Voß. Als dieser dann in St. Martinus einen Kirchenmusiker suchte, bot ich mich als „Übergangslösung” an, ich hatte gerade das Kirchenmusikstudium in Aachen erst begonnen. Er fragte dann, ob ich mir eine dauerhafte Anstellung vorstellen könne – und so habe ich, anfangs parallel zum Studium, meine Stelle in St. Martinus begonnen.

Damals hast du in nur einer Gemeinde angefangen. Mittlerweile bist du breiter aufgestellt. Welche Vor- und Nachteile siehst du darin?

AS: Ein Vorteil ist sicherlich, dass die Gemeinden unterschiedlich geprägt sind und wir alle von der Vielfalt profitieren. Die Gemeinden wachsen ja auch sichtbar zusammen, die meisten sind bereit, auch einmal neue Wege zu gehen und zur Nachbargemeinde zu schauen. Ich glaube aber auch, dass man nicht in immer mehr Gemeinden gleich gut „zu Hause” sein kann. Hier und da bleibt man nur ein „Gast” – das Heimatgefühl vor Ort kann man nicht überall erreichen.

Was bewegt dich, wenn du auf 25 Jahre Kirchenmusik zurückblickst

AS: Mich bewegt vor allem die Freude an der Musik, die man selber hat und spürt – wenn Weihnachten mehrere hundert Menschen Lieder mitsingen - das ist schon toll. Highlights wie die Aufführung der c-Moll-Messe von Mozart, den diversen Chorjubiläen, dem selbstgeschriebenen Martins-Musical, das begleitet mich sicher ein Leben lang. Und bei all dem hoffe ich, dass auch die Menschen in den Gemeinden Freude daran haben und sagen: die Musik, die berührt mich im Herzen.

Wenn man die allgemeine kirchliche Lage betrachtet, kann einem manchmal angst und bange werden. Würdest du deinen Beruf noch einmal ergreifen?

AS: Den Beruf liebe ich sehr und ich kann immer noch sagen, dass mein Hobby auch mein Beruf ist und es kaum Tage gibt, an denen ich schlecht gelaunt zur Arbeit gehen würde. Einige Nachrichten von Rom über Köln bis nach Aachen machen mich ärgerlich, ratlos, wütend – und die Zahl der Menschen, die sich nicht mehr alles gefallen lassen, wird zu Recht größer. Ich hoffe, dass es auch künftig Menschen aller Generationen gibt, die trotzdem vor Ort etwas finden, das ihre Treue erhält und Freude bereitet.

Sicherlich beginnt für dich mit dem Weggang von Josef Voß eine neue Zeit unserer GdG. Wie empfindest du die Situation?

AS: Josef Voß war ein Begleiter in meinem Leben, seit ich 14 Jahre alt war. Seine Art, Gottesdienste vorzubereiten und zu predigen, ist sicher eine besondere. Und mit neuen Ideen rannte ich immer offene Türen ein – er umgekehrt vermutlich auch. Ich bin froh, dass wir mit einem engagierten Team nach vorne schauen können, aber wir alle müssen unsere Rollen und Plätze auch ein wenig neu finden lernen.

Welche Visionen und Wünsche hast du für die Zukunft?

AS: Ein großer Wunsch ist, dass wir trotz Corona und Kirchenaustritten wieder volle Kirchen (und damit meine ich in meinem Beruf vor allem auch Gottesdienste) haben können. Dass wir als Kirche auch in schwierigen Zeiten ein beliebter Ort bleiben und dass die Musik in ihrer ganzen Vielfalt vom Bach-Praeludium auf der Orgel über die Chormusik bis zum Jazz-Stück am Klavier die Menschen bewegt, erfreut und im Herzen trifft.

Viel Arbeit und Enthusiasmus legst du neben deinem Beruf als Kirchenmusiker auch in den Fortbestand der Gemeinden. So bist du auch Mitglied der Gemeindeleitung im Norden der GdG. Geht dir nicht manchmal auch der Spruch „Schuster, bleib bei deinen Leisten” durch den Kopf?

AS: Aktuell ist prozentual ein ganz schönes Stück Organisation dabei, manchmal zu Lasten der Zeit für Musik – andererseits ist es schön, dass wir Musiker – im wahrsten Sinne des Wortes – zur „Leitung der Gemeinde” dazugehören. Ich hoffe, dass sich nach allen Unruhen demnächst etwas Normalität einstellt und die Gewichtung wieder in Richtung Musik geht.

Es gibt in der Arbeit als Kirchenmusiker auch lustige Begebenheiten. Möchtest du eine erzählen?

AS: Für eine Hochzeit hatte ein Brautpaar sich ein bestimmtes Orgelstück gewünscht, Pastor Voß ging um 15:00 Uhr mit Glockenschlag von der Sakristei vor die Kirche, wo der Bräutigam schon wartete und ich spielte das gewünschte Stück. Ich war bereits einmal durch, konnte aber immer noch keinen Einzug sehen, also drehte ich eine neue Runde. Nach zehn Minuten und fast wunden Fingern bin ich dann doch einmal nach unten gegangen: Die Braut war nicht gekommen. Die Stretch-Limousine war wohl zugeparkt worden und die Braut auch um 15:15 Uhr noch nicht da. Irgendwann gab es dann den geplanten Einzug. Und wir haben gelernt: Am besten mit dem Kleinwagen zur Kirche und als Pastor und Organist immer erst nachschauen, ob alle Beteiligten am Start sind.
Und immer wieder für Schmunzler sorgt natürlich, wenn z.B. Brautpaare das liturgische Vokabular nicht kennen (was kein Vorwurf ist): gerne wird gefragt, welche Musik ich denn vorschlagen könne zum „Einmarsch” (da denke ich immer eher an Militär als an eine Braut) oder zum „Einlauf”…

Das Interview führte im Namen der Gemeindeleitung der Nord-GdG
Gregor Jeub, GdG-Musiker